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Themen und Services/Soziale Sicherung/Sozialversicherung

Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2022

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Journalistenseminar "Quo vadis Sozialsystem"

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 Beate Neubauer
Beate Neubauer
CSR / Nachhaltigkeit, Soziale Marktwirtschaft, Alterssicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Gesundheitswirtschaft, FKS+
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Die Zukunft unserer sozialen Sicherungssysteme war Thema des vbw Journalistenseminars „Quo Vadis Sozialsysteme“. Als Experte für die Veranstaltung sprach Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Stabile Sozialsysteme als Basis für wirtschaftlichen Erfolg

vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt unterstrich in seinem Begrüßungsstatement die Bedeutung der sozialen Sicherung für Wirtschaft und Unternehmen: Ein hohes Maß an Sozialschutz sorgt für gesellschaftlichen Zusammenhalt und damit stabile Rahmenbedingungen, die ein wichtiger Standortfaktor sind. Er mahnte aber zugleich an, dass ein tragfähiger Ausgleich zwischen dem Sozialschutzniveau und der Kostenbelastung der Unternehmen gefunden werden muss. Steigen die Sozialversicherungsbeiträge weiter an, erhöhen sich die Lohnnebenkosten und die Standortattraktivität leidet. Vor diesem Hintergrund kritisierte er, dass die Vorhaben der Ampel-Koalition die Sozialversicherungsbeiträge auf über 40 Prozent steigen lassen werden.

Am Beitragsprimat festhalten

In seinem Impulsvortrag ging Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen auf die Herausforderungen in den einzelnen Sozialversicherungszweigen ein. Sowohl in der gesetzlichen Rentenversicherung als auch in der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung bestehen schon heute erhebliche implizite Schulden, durch bereits gegebene Leistungsversprechen, deren Finanzierung in der Zukunft aber nicht sichergestellt ist. In der Folge wären Beitragssatzsteigerungen oder eine erhebliche Ausweitung der Steuerzuschüsse nötig.

In diesem Zusammenhang plädierte er dafür, am Beitragsprimat festzuhalten und Maßnahmen zu ergreifen, um mit dem heutigen Beitragssatzniveau und Steuerzuschüssen eine dauerhafte Finanzierung der Sozialversicherung sicherzustellen.

Handlungsbedarf im Detail – Beispiel Altersvorsorge

Am Beispiel der gesetzlichen Rentenversicherung zeigte Prof. Dr. Raffelhüschen den Handlungsbedarf an verschiedenen Punkten. Neben der bereits erfolgten Wiedereinsetzung des Nachholfaktors muss auch der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel wieder aktiviert werden. Auch das Renteneintrittsalter sollte an die steigende Lebenserwartung angepasst werden. Nicht zuletzt stehen bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge die aktuellen Beitragsgarantien zur Diskussion, durch die Anlagen in Aktien quasi unmöglich sind.

Kapitalstock löst Probleme nicht

Kritisch wurden auch die Pläne der Ampel-Koalition zur Einführung eines Kapitalstocks in der gesetzlichen Rentenversicherung diskutiert. Bertram Brossardt begrüßte zwar grundsätzlich ein Mehr an Kapitaldeckung bei der Altersvorsorge, der nun geplante Kapitalstock kommt jedoch zu spät und wäre mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro viel zu gering angesetzt.

Auch Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen schloss sich der Kritik an. Er bezweifelte außerdem, dass es zielführend ist, einen staatlich verwalteten Fonds aufzusetzen, bei dem immer die Gefahr besteht, dass die Mittel je nach Kassenlage zweckentfremdet werden.

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Präsentation Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen