Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2026
Pressemitteilung
Machtbalance in den transatlantischen Beziehungen wahren / Brossardt: „Aktuelle Zoll-Ankündigungen Trumps untergraben den Zoll-Kompromiss zwischen EU und USA“
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US-Präsident Donald Trump hat im ersten Jahr seiner Präsidentschaft die transatlantische Zusammenarbeit auf eine harte Probe gestellt. Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. analysierte auf einem Kongress in Kooperation mit dem Amerikahaus München die wirtschafts- und handelspolitischen Beziehungen zwischen Bayern und den USA. „Ein Großteil der Befürchtungen hat sich gerade in den letzten Tagen wieder bestätigt: Trumps erratische und protektionistische Handelspolitik führt zu großer Unsicherheit. Viele Unternehmen haben Investitionen gestoppt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Die US-Zollpolitik bremst die Weltwirtschaft insgesamt. Das belastet die tief in den Welthandel integrierten Volkswirtschaften Bayerns und Deutschlands in besonderem Maße. Die im Juli 2025 erzielte Einigung im Handelsstreit hatte vorübergehend für Planungssicherheit gesorgt, doch der Konflikt um Grönland und die Zolldrohungen der USA untergraben die Vereinbarung“, erläutert vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.
Die vbw sieht das transatlantische Verhältnis vor allem durch die Zollpolitik der Vereinigten Staaten stark herausgefordert. „Der Zoll-Kompromiss schmeckte mehr als bitter. Unsere Exporte in die USA sind deutlich teurer geworden, und auch die komplizierte Abwicklung macht den Unternehmen zu schaffen. Die angekündigten zusätzlichen Strafzölle von zehn und später 25 Prozent auf alle deutschen Einfuhren in die USA sind ein weiterer schwerer Schlag für die bayerische Wirtschaft. Trotz der handelspolitischen Streitigkeiten mit der Trump-Administration bleiben die USA unser größter Exportmarkt. Bereits 2025 sind unsere Ausfuhren in die USA um mehr als sechs Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung würde sich durch die neuen Zusatzzölle verschärfen“, so Brossardt weiter.
Seit einem Jahr erschüttert Trump immer wieder die transatlantische Partnerschaft. „Deutlich wird das auch an der Geopolitik. Die im Dezember vorgelegte nationale Sicherheitsstrategie der USA gleicht einer ideologischen Abrechnung mit Europa. Klar ist: Diese neue Realität setzt Machtpolitik an die Stelle von Völkerrecht und stiftet weitere Unsicherheit – auch unter den Verbündeten der Vereinigten Staaten“, sagte Brossardt und ergänzt: „Wirtschaftliche Strafmaßnahmen dürfen nie Mittel sein, um befreundete Staaten bei politischen Streitigkeiten zum Einlenken zu zwingen – vor allem nicht unter demokratischen Partnern. Wichtig bleibt jetzt, einen Handelskrieg mit den USA unbedingt zu vermeiden.“
Aus Sicht der vbw muss Europa den Dialog auf Augenhöhe mit den USA suchen. „Gegenüber Trump müssen wir noch deutlicher herausstellen, dass die USA wirtschaftlich auf Europa angewiesen sind. Allein Bayern importierte 2025 nach ersten Schätzungen Waren im Wert von elf Milliarden Euro aus den USA. Außerdem investieren bayerische Unternehmen seit vielen Jahren massiv in den Vereinigten Staaten. Insgesamt sind Deutschland und die EU angesichts der veränderten Weltlage mehr denn je gefordert, neue Handels-, Rohstoff- und Investitionspartnerschaften überall auf der Welt abzuschließen. Gebot der Stunde ist das Diversifizieren unserer Handelsbeziehungen, um Abhängigkeiten von einzelnen Handelspartnern zu reduzieren“, führt Brossardt abschließend aus.